Hernienchirurgie
Ärzteteam:
OA Dr. Andreas Lorenz, FEBS (Leitung)
OÄ Dr.in Cäcilia Augustin
OA Priv.-Doz. Dr. Herbert Maier
Dr.in Christina Bogensperger
Spezialsprechstunde
Mo 09.30 – 14.00 Uhr
Tel. +43 (0)50 504 22511
A-6020 Innsbruck, Anichstraße 35, Haus 8, EG, Ambulanz


An unserer Universitätsklinik bieten wir das gesamte Spektrum der modernen chirurgischen Behandlung von Hernien (Eingeweidebrüchen) an. Dies verlangt eine individualisierte Behandlung durch ein spezialisiertes Team. Neben Expertise, belegt durch die Auszeichnung der Union Européenne des Médecins Spécialistes zum FEBS, bedarf es einer ständigen Qualitätskontrolle, wie sie bei und durch die Teilnahme am HerniaMed-Register gesichert ist.
Erstgespräch/Untersuchung
Zuerst werden die Beschwerden und individuelle Situation in einem persönlichen Gespräch erfragt, und die Beschaffenheit des Bruchs in der körperlichen und ggf. radiologischen (Ultraschall, Computertomographie) Untersuchung definiert. Dann werden die möglichen Behandlungsmethoden (ohne Operation, mit Operation, Operationsmethoden) mit ihren Vor- und Nachteilen erläutert und gemeinsam der Therapieplan festgelegt.
Leistenbruch (Inguinalhernie)
Diese kommen in allen Lebensaltern vor, vom Neugeborenen bis zum alten Menschen. Das Spektrum der Versorgung reicht vom abwartenden Verhalten ohne Operation über klassische Nahttechnik (Operation nach Shouldice) bis zur Operation mit Gewebsverstärkung (Implantat einer Netzprothese). Die Operationen können minimal invasiv, laparoskopisch oder Roboter-assistiert, d.h. mit kleinen Schnitten und Kameratechnik (Total extraperitoneale Herniopplastik, TEP oder Transabdominale präperitoneale Hernioplastik, TAPP) oder konventionell, d.h. mit einem Schnitt an der Leiste (Operation nach Lichtenstein oder Shouldice) durchgeführt werden. Letztere Operationen lassen sich auch ohne Vollnarkose in Lokalanästhesie durchführen. Bei der Auswahl der Operationsmethoden fließen neben den medizinischen Aspekten selbstverständlich auch individuelle Patientenwünsche ein.
Bauchwandhernien
Neben einfachen Brüchen der Bauchwand, also eine Nabelhernie oder Hernie des Oberbauchs, gibt es so genannte Narbenbrüche. Diese entstehen nach Operationen im Bauchraum und sind entsprechend von ganz unterschiedlicher Größe. Bei der Wahl der Operationsmethode ist neben Ort und Größe des Bruchs die individuelle Anatomie entscheidend. Die minimal-invasiven Operationstechniken sind vor allem bei größeren Brüchen zu bevorzugen, da sie einen günstigeren Heilungsverlauf aufweisen. Durch die Einführung der Roboter-assistierten Chirurgie (daVinci-Plattform, Fa. Intuitive) 2024, konnte der Anteil der minimal-invasiven Behandlung noch einmal erhöht werden.
Die Operation nach Rives-Stoppa wurde seit den 1970er Jahren erforscht und beinhaltet den Bruchlückenverschluss mit Netzimplantation hinter die geraden Bauchmuskeln (retrorektus). Mancherorts wird diese Netzposition auch als „sublay“ bezeichnet. Noch heute ist sie einschließlich ihrer minimal-invasiven Abwandlungen der Gold-Standard zur Versorgung von Narbenhernien.
Die MILOS („mini- or less-open sublay“) Operation zielt auf eine Netzimplantation hinter der geraden Bauchmuskulatur (retrorektus) mit Bruchlückenverschluss ab, definiert sich aber über einen Hautschnitt von maximal 5 cm (mini open; 12 cm bei less-open) über der Bruchlücke und den Einsatz von speziellem Instrumentarium. Die abgewandelte Operation mit laparoskopischem Instrumentarium wird häufig als e-MILOS (endoskopisch) bezeichnet. Die MILOS eignet sich zur Behebung kleiner Brüche des Nabels und Oberbauchs bei Rektusdiastase sowie zur Versorgung von Narbenhernien.
Weitere Techniken zur minimal-invasiven Narbenhernienversorgung mit Netzimplantation hinter die Bauchmuskulatur (retrorektus, retromuskulär) umfassen die endoskopische total extraperitoneale Hernioplastik (eTEP) und den laparoskopischen Zugang durch die Bauchhöhle (transabdominal) mit extraperitonealer Netzverstärkung, d.h. kein Netzimplantat in der Bauchhöhle und kein Darmkontakt (TARUP, laparoskopischer Rives-Stoppa, ventrale TAPP).
Bei sehr großen Bruchlücken werden die oben genannten Operationen um eine gezielte Durchtrennung einzelner Bauchmuskelsehnen (Aponeurosen) ergänzt, um die Spannung beim Bruchlückenverschluss zu reduzieren und Platz in der Bauchhöhle zu gewinnen. Diese Techniken werden als anteriorer und posteriorer Release mit Komponentenseparation bezeichnet, wobei es eine verwirrende Vielzahl an Abkürzungen und Synonymen gibt (TAR; M. transversus abdominis-Release, OP n. Ramirez, ACS: anterior component separation).
Selten angwendet wird die laparoskopische und offene IPOM-Technik (intraperitoneal onlay mesh = Kunststoffnetz in der Bauchhöhle), da sie bei einfacher Durchführbarkeit und guten Langzeiterfolgen in seltenen Fällen mit schweren Komplikationen wie Darmverletzungen vergesellschaftet ist.
Parastomalhernie
Parastomalhernie sind Eingeweidebrücke am Ort eines künstlichen Darmausgangs (Stoma). Wenn eine Stoma-Rückoperation nicht sinnvoll ist, kommen zur Bruchlückenversorgung ebenfalls implantierte Kunststoffnetze zum Einsatz. Diese Operationen erfolgen in der Regel minimal-invasiv (3D-Netz, Pauli-Repair).
Rektusdiastase
Ein Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskeln (Diastasis der Musculorum rectum) tritt bei beinahe allen Vergrößerungen des Bauchumfangs auf. In der Regel bildet sich dieser Zustand bei Verkleinerung des Bauchumfangs wieder zurück, z.B. nach einer Schwangerschaft.
Besteht nun ein Eingeweidebruch im Bereich des ausgedünnten Gewebes zwischen den Bauchmuskeln, ist dies bei einer Bruchoperation zu berücksichtigen, indem eine Gewebeverstärkung mittels Netzimplantation erfolgt. Ob gleichzeitig die Diastase operativ behoben wird, hängt vom Bauchumfang, funktionellen Beschwerden und vom kosmetischen Anspruch ab. Bei starker Hautfältelung kann eine gleichzeitige Bauchdeckenstraffung (Abdominoplastik) erwogen werden. Diese, wie auch eine Diastase-Operation ohne Eingeweidebruch, erfolgt durch die Kollegen der Univ.-Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (https://pci.tirol-kliniken.at).